Mittwoch, 07.11.01
Abflug nach Gran Canaria
Früh morgens Rieke und Timm, einige Stunden später Silke. Martin holt uns am Flugplatz ab, wo wir erfahren, daß die Antares gar nicht im Hafen von Las Palmas liegt, wie wir angenommen hatten, sondern in einer Bucht im Süden von Gran Canaria vor Anker. In Las Palmas war wegen des ARC, der 2 Wochen später starten würde, kein Platz mehr frei.
Peter war bereits seit Malaga an Bord, Martin ein paar Tage zuvor angekommen.
Martin war seit Tagen damit beschäftigt, die Dinge, die er an der Antares als defekt erkannt hatte, zu reparieren. So war der Druckwasserbehälter durchgerostet, der Windgenerator lieferte keinen Strom, die ORBcomm Anlage funktionierte augenscheinlich nicht (kein oder nur gelegentlicher Satellitenempfang), der Radarreflektor hing viel zu niedrig, als daß uns andere Schiffe rechtzeitig sehen könnten....
Diesen und die nächsten Tage waren wir damit beschäftigt, das Schiff zu proviantieren und mit verschiedenen vom Eigner zugesagten aber nicht vorhandenen Dingen auszurüsten, wie Reservekanister für Diesel, eine dritte Gasflasche.....
Rieke und Silke erstellen eine genaue Bunkerliste aus der nicht nur die Mengen und der Verbrauch, sondern auch der Lagerort zu entnehmen ist.
Von Peter hatten wir noch zuhause erfahren, daß kein nautisches Jahrbuch an Bord war, konnten also noch eines besorgen, daß aber auch keine HO. 249 da waren, merkten wir erst dort - zu spät, um noch welche zu beschaffen. Mehr aus Neugier hatten wir die "Record Tables" mitgebracht, dann mußte es eben damit gehen!
Samstag, 10.11.01
Morgens kommt "Nummer 6", wie wir ihn einstweilen genannt haben, Bernd, an Bord, bringt noch Ersatzteile für den Windgenerator mit.
Die Antares flaggen wir über de
Toppen
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Letzte Einkäufe, vorläufig letzter Landgang.
Große Aufmerksamkeit widmen wir der gemeinsamen Hauptmahlzeit, die aller Erfahrung nach für die Stimmung an Bord erheblich ist. Dosenessen soll es nur in Ausnahmefällen geben. Heute gibt's vor dem Ablegen noch Ratatouille mit Reis
Nach gründlicher Sicherheitseinweisung, Durcharbeiten und Verteilen der Notrollen, Einteilung der Wachen und Erstellung eines Wachplanes geht es dann nachmittags "Anker auf" Kurs SW. Bei nordwestlichen Winden von 4 bis 5 Bft machen wir anständige Fahrt.
Unsere Überlegung ist, möglicht schnell südlich in die Passatzone zu gelangen, eine Zone, die für beständige NE - E Winde bekannt ist, die alte Columbus Route mit ihren "trade winds"
Sonntag 11.11.01
Im Laufe des Tages flaut der Wind, der immer wieder dreht, ab. Wir hätten gerne einen Wetterbericht, aber die Orbcomm Anlage hat seit dem Verlassen von Gran Canaria überhaupt keinen Satellitenkontakt mehr.
Wir müssen die Maschine laufen lassen (wir fangen bei zweimal 1/2 Stunde pro Tag an), um unsere Batterien nachzuladen - der Windgenerator funktioniert nicht und der laut Prospekt des Segel Club Elba vorhandene Diesel-Generator ist nicht vorhanden.
Auch "Intermar" können wir nicht empfangen. Ein bißchen Unruhe kommt auf. Das alles bei Temperaturen um die 30 Grad, auch nachts ist es in den Achterkojen kaum unter 29 Grad.
Andererseits lenken erste Delphingruppen unsere Aufmerksamkeit in eine angenehmere Richtung.
Wir machen erste astronomische Standortbestimmungen, es wird ein recht gutes erstes Mittagsbesteck, das wir noch mit der GPS-Position abgleichen. Erste "Schüsse" am Abendhimmel; da wir auch keinen Sternfinder an Bord haben, müssen wir die "geschossenen" Gestirne erst mit dem mitgebrachten Laptop ermitteln - es stellt sich heraus, daß eines der Gestirne offenbar gar keines war, sondern ein geostationärer Satellit.
Sehr hilfreich für die Orientierung am Sternhimmel und die Identifikation der Gestirne war uns "Nautic Tools", ein Shareware Programm aus dem Internet.
Heute bietet die Küche: Brot mit Avocadocreme, dann Rattatouille mit Kartoffelbrei
Etmal: 95 sm, Mittagsposition: 26°54.4 N 017°05,6 W
Montag, 12.11.01
Mäßige Winde aus Südost, manchmal dickere Wolken.
Ein Frachter, den wir morgens in 4-5 sm Entfernung sehen, reagiert nicht auf unseren wiederholten Anruf auf UKW wir hätten doch zu gerne einen Wetterbericht!
Heute bietet die Küche: Linsensuppe mit Würstchen
Etmal: 125 sm, Mittagsposition: 25°22,2 N 018°19,5 W
Dienstag 13.11.01
Südöstliche Winde um 4 Bft, schönes Wetter- wir fahren weiter mit ausgebaumter Genua. Silke hat Geburtstag.
Zur Feier des Tages legen wir nachmittags einen "Badetag" ein - im stahlblauen Nordatlantik bei 25° Wassertemperatur schwimmen, das hat schon etwas!
Die Mittagsbestecke nach dem vereinfachten Verfahren von Schenk werden immer besser, hierfür reicht das kleine "einmaleins" , Record Tables und Laptop können geschlossen bleiben.
Heute bietet die Küche: Zucchiniauflauf mit Bratkartoffeln
Nachts steuert unser Geburtstagskind - der Skorpion- mit der Antares den Antares im Skorpion an.
Etmal: 185 sm, Mittagsposition: 23°28,9 N 020°35,1 W
Mittwoch 14.11.01
Östliche Winde um 3, schönes Wetter, wir fahren weiter mit ausgebaumter Genua; vormittags bricht uns der Glockenbeschlag des Spi-Baumes weg, dank guter Ideen gelingt eine provisorische Reparatur, die aber auch nur kurz hält. Ein Ersatzteil finden wir nicht, also wird jetzt stundenlang gefeilt, gebohrt....
Peter meint, so muß Arbeit im Gefängnis sein....
Derweil fahren wir mit Passatbesegelung
Heute kredenzt die Küche: Gulaschsuppe, verfeinert mit Möhren Kartoffeln und Pimentos
Gegen Abend haben wir dann einen "neuen" alten Glockenbeschlag, der richtig stabil wirkt, etwas kürzer ist aber funktioniert.
Nachts sehen wir bei Schichtwechsel eine weiße Leuchtrakete in der Nähe, können aber trotz Nachtsichtgerät nichts erkennen. Der Funk ist ruhig, niemand meldet sich auf unsere Nachfrage - eine etwas gespenstische Situation - wir gehen verstärkt Ausguck.
Etmal: 138 sm, Mittagsposition: 21°42,2 N 022°19,3 W
Donnerstag 15.11.01
Ostwind, 3-4 Bft
Wir sehen im Lauf des Tages mehrere Schiffe, die aber alle nicht auf Funk reagieren. Es ist wie verhext.
Die ersten fliegenden Fische sind um uns herum, außerdem sehen wir Delphine. Am späten Nachmittag fangen wir unseren ersten Fisch mit der Schleppangel, gute 30 cm lang - er landet in der Pfanne und schmeckt als Vorspeise hervorragend. Danach gibt's dann noch Nudeln mit Tomaten Zucchinigemüse und Hähnchen überbacken.
Etmal: 140 sm, Mittagsposition: 20°08,1 N 024°03,4 W
Freitag 16.11.01
Östliche, auf Südost drehende Winde zunächst 4 später nur noch 2 Bft. Vormittags setzen wir auf Südwestkurs das erste Mal den Spinnacker bis zum Sonnenuntergang, womit sich auch mit den verbleibenden 2 Windstärken noch etwas Fahrt machen läßt.
Die Küche kredenzt: Nudeln und Hähnchen überbacken, Tomaten-Zucchinigemüse
Nachts schläft der Wind dann noch weiter ein
Etmal: 110 sm, Mittagsposition: 19°50 N 026°15 W
Samstag 17.11.01
Nachts und vormittags haben wir vielleicht noch 1 Bft aus Südost, dann schläft der Wind völlig ein - völlige Flaute auf dem Atlantik- der immer glatter wird und bald aussieht wie "der Chiemsee im Sommer" was zu einem geflügelten Wort bei uns wird.
Morgens werden wir noch durch einen guten Fang (2 Fische) getröstet, während wir unter Groß und Spi dahinzockeln, nachmittags müssen wir alles Tuch einholen - kein Lufthauch mehr.
Waschtag Chiemsee ?? Wetterbericht? Fischerei für das Abendessen
Wieder kein Wetterbericht zu empfangen, der sich auf unsere Position beziehen läßt. Was ist los ???? Wir versuchen Erklärungen zu finden. Erste Unkenrufe, wie "der Diesel reicht noch, um bis zu den Cap Verdischen Inseln zurück zu motoren..." machen die Runde. Das Barometer verändert sich mit um die 1014 hpa kaum.
Heute kredenzt die Küche: 2 gefangene Fische, Huhn mit Reis und Bohnen - überbacken.
Etmal: 90 sm, Mittagsposition: 19°04,8 N 027°45,6 W
Sonntag 18.11.01
Die ganze Nacht über weiter Flaute, die Seewache macht nur noch einer, der versucht, nicht einzuschlafen.
Fliegende Fische, springende Fische bei sonnigem, windstillen Wetter, eine Herde Delphine oder wohl eher kleiner Wale zieht gemächlich an uns vorbei, wir sind wohl ein interessanter "Spielpartner"
Am späten Vormittag kommt ein kleines Lüftchen auf, das aber auch bald wieder einschläft. Unser Etmal ist für alle ausgesprochen frustrierend, aber nicht unerwartet.
Nachmittags sehen wir eine größere Ketch querab, auch reagiert zunächst nicht auf Funkanruf. Später bekommen wir dann über das Handfunkgerät Kontakt zu "ANOTHER BOLD VENTURE", einem britischen Schiff. Sie konnten zunächst gar nicht fassen, daß wir nicht einmal ein Kurzwellenfunkgerät an Bord hatten und berichten uns von "Herb", einem Amateurfunker, der um 21.30 UTC auf 12.359 KHz Wetterberichte an die ihn anfunkenden Segler in den Äther gibt, eine Chance, ihn mit unserem Weltempfänger zu empfangen
Mit Einbruch der Dunkelheit verlieren wir sie außer Sicht, zumal sie sich offenbar für einen Südkurs entschieden haben - Schade
Heute kredenzt die Küche: überbackene Möhren und Bratkartoffeln
Abends hören wir erstmals dann einen Wetterbericht von "Herb" der "very light conditions" für unser Seegebiet für die nächsten Tage voraussagt - keine dollen Aussichten, aber wenigstens eine Information, die irgendwie schon beruhigt. "Herb" wird ab jetzt zum täglichen Programm dazugehören, wenn er auch manchmal schlecht zu verstehen ist - wir haben ja keine KW-Anlage, sondern nur einem Weltempfänger.
Etmal: 30 sm, Mittagsposition: 19°01,9 N 028°07,3 W
Montag 19.11.01
Am frühen morgen zeigt sich ein Windchen , der jetzt aus NE kommt und bis 3 Bft "zulegt". Im Dunkel segeln wir wie gehabt, mit Großsegel und ausgebaumter Genua, bei Tageslicht mit Spinnacker und Groß.
Im Laufe des Tages "nullen" wir die Logge, d.h. wir sind jetzt mehr als 1000 sm durch das Wasser gelaufen.
Aus einem mitgebrachtem Draht, den wir am Achterstag aufheißen, "basteln" wir eine externe Antenne für den Weltempfänger, um die Antenne besser auf die Wellenlänge abstimmen zu können und so einen besseren Empfang zu haben. Es bringt doch eine spürbare Verbesserung der Empfangsqualität.
Heute kredenzt die Küche: Schaschlikspieße mit Kartoffelgratin und Möhren
Etmal: 60 sm, Mittagsposition: 18° 58,1 N 029°15,1 W
Dienstag 20.11.01
Der Wind dreht wieder über Ost nach Südost, so um 2 Bft.. Wir empfangen einen Wetterbericht von Intermar (Hoch mit 1030 über den Azoren soll uns in den nächsten Tagen Wind aus NE 4-6 Bft bringen) Das wäre dann das, worauf wir alle warten, das wäre die eigentlich hier zu erwartende Wetter- und Windlage. "Herb" betätigt diese Prognose dann in der Nacht."
"Der Passat weht beständig mit 15 - 25 kn Wind" so das Zitat aus dem Revierführer.
Morgens fangen wir wieder einen großen Fisch, wohl eine Goldmakrele, die gut mundet.Dazu gibt's Möhrengemüse und den Rest vom Kartoffelgratin vom Vortag
Etmal: 125 sm, Mittagsposition: 18° 26,6 N 031°19,2 W
selbstgebacken! Schweinshaxe auf dem Atlantik
Mittwoch 21.11.01
Wie gehabt, 2-3 Bft aus östlichen Richtungen - warten und warten und warten auf den Wind..............
Heute kredenzt die Küche: wieder einen Fisch mit Lasagne und Möhren-Apfelsalat
Etmal: 130 sm, Mittagsposition: 17° 44,9 N 033°12,7 W
Donnerstag 22.11.01
Das Wetter verschlechtert sich, kleine Wolken bringen böigen und drehenden Wind (und Regen), gegen Mittag gibt es eine richtige Süßwasserdusche.
Zwischendurch laufen wir über 8 Knoten - bis die Bö vorüber ist.... und dann wieder XXL- Bedingungen (very extrem light conditions")
Wetterbericht von Intermar: : "typisches Passatwetter, keine Störung in Sicht..."
Wo ist er, der Passat ????
Heute kredenzt die Küche: mit Hackfleisch gefüllte Paprika
Etmal: 105 sm, Mittagsposition: 17° 42,4 N 035°01 W
Freitag 23.11.01
Wind aus SE 0-1 Bft. es ist der 10.Tag in Folge mit weniger als 4 Bft, gegen Mittag laufen wir einen Kurs von 280° am Wind - unglaublich! Es lebe die Statistik!
Heute ist Bergfest ! kaum war dies mit einem Sherry begossen, werden die angesichts der Wetterlage notwendigen Rationierungsmaßnahmen besprochen und schriftlich niedergelegt:
1,5 l Wasser pro Kopf, 1/2 l Saft pro Kopf, höchsten 1 Dose Bier pro Kopf , 4 Beutel Tee, 1 Kanne Kaffee pro Tag, 1 Brot pro Tag - mit dem Essen sieht es ansonsten gut aus!
Heute gibt's selbstgemachte Pizza
Die Nacht über gießt es wie aus Kübeln - aber kein Wind!
Etmal: 95 sm, Mittagsposition: 17° 37,9 N 036°32,3 W
Samstag 24.11.01
zunächst einmal wieder unglaubliche 0 - 1 Bft aus Ost bis Südost, gegen mittag dann auffrischender Wind mit 4 Bft, Freude und Hoffnung kommt auf, wir machen über 7 kn Fahrt, zu allem Überfluß noch einen großen Fisch an der Angel. Wir sind jetzt 2 Wochen unterwegs.
Doch nach 2 Stunden schläft der Wind wieder ein....
Nach langem Überlegen entschließen wir uns, nicht mehr herumzuliegen und auf Wind zu warten, sondern mit mäßiger Fahrt gen 40° W zu motoren, dahinter soll - so "Herb"- wieder mehr Wind sein. Überlegen müssen wir schon deshalb, weil wir nur 150 L Diesel sowie die 40l in Kanistern, die wir dazugekauft haben, Kraftstoff haben. Zweimal am Tag müssen wir für ca. 1 Stunde die Maschine laufen lassen, um die Batterien nachzuladen - der Windgenerator funktioniert ja nicht...
Sobald etwas Wind aufkommt : Motor aus und Segel setzen!
Heute kredenzt die Küche: die Goldmakrele mit Knoblauchbutter und selbstgebackenem Brot
Etmal: 70 sm, Mittagsposition: 17° 28,6 N 037°36,6 W
Sonntag 25.11.01
Wind gibt es immer noch nicht, wir laufen einen großen Teil unter Maschine.
Wir gönnen uns eine Badepause mitten auf dem Atlantik.....
Wenn schon mal ein Lüftchen weht, laufen wir unter Spinnacker - jetzt auch nach Sonnenuntergang solange man bei dem Mond noch etwas sieht und es irgendwie zu verantworten ist. Von dem Steuermann ist jetzt hohe Konzentration gefordert!
Heute kredenzt die Küche: Nudeln mit Thunfisch-Sahne Sauce, Tomatensalat und einen Weißkohlsalat mit Speck.
Etmal: 80 sm, Mittagsposition: 17° 25,6 N 039°10,5 W
Montag 26.11.01
Östliche Winde 2-3 Bft, wir sind ganz zufrieden (so bescheiden wird man!), typische Passatbewölkung. Wir laufen meist unter Groß und Spinnacker, ziemlich genau nach West.
Einen Fisch fangen wir auch wieder, sieht aus wie ein kleiner Barrakuda.
Die zweite der drei Gasflaschen ist leer, Gas muß jetzt auch rationiert werden, weil wir nicht wissen, wie lange es noch reichen muß - also Abwasch mit kaltem (See-Wasser, Backofen nur noch, wenn Brot gebacken wird...
Als Hauptmahlzeit gibt es den Fisch sowie die Reste vom Vortag
Etmal: 115 sm, Mittagsposition: 17° 29,3 N 041°30 W
Dienstag 27.11.01
Am Morgen schwächelt der Wind dann wieder, kommt mal aus NE , mal aus SE
Wetterbericht von Intermar (schlecht zu empfangen) für die Passatzone II: 15-20 kn aus Ost, in der Nacht dann von "Herb": convection zone von 16° N 048° W mit Frontenlinien mit Schauern und Böen, die sich nach 10 ° N 55° W" bewegen wird, wir sind also auf der Rückseite.
Heute kredenzt die Küche: gebackene Schweinshaxe mit Kartoffelpuree und Sauerkraut
Etmal: 175 sm, Mittagsposition: 17° 17,6 N 045°03,7 W
Mittwoch 28.11.01
In der Nacht kommt dann wieder etwas Wind, bis 4 Bft, der Himmel ist meist verhangen, Streckenweise rauschen wir mit halbem Wind und 7-8 kn Fahrt unserem Ziel entgegen. Spaßsegeln, wie seit Tagen nicht mehr, trotz verhangenem Himmel, Mittagsbesteck fällt mangels Sonne aus.
Wir sehen sowohl einen Frachter als auch später einen Segler, Kontaktaufnahme per Funk klappt aber immer noch nicht. Offenbar ist unser UKW-Gerät defekt, für die Handfunke sind die beiden zu weit entfernt. Immer neue Schauer überrollen uns, die Seewache steht in Vollzeug an Deck, refft, refft aus, mal Flaute, mal 6 Bft.
Den Tintenfisch - Köder haben wir eingeholt, nachdem zwei Möwen immer wieder im Sturzflug Jagd auf das orange aufblinkende Gummitier gemacht hatten.
Kurz vor Mittag dann die 2000 Meilen erreicht, die letzte Tüte Vinegar-Chips wird geschlachtet.
Heute kredenzt die Küche: Chili mit Reis
"Herb": convection zone von 08° N und 20 ° N und 045° W bis 53° W mit Gewitterzellen und Schauern die nördlich ziehen werden, böiger Wind aus Ost mit mehr als 25 kn, wir sind also mittendrin.
Etmal: 140 sm, Mittagsposition: 17° 12,3 N 046°21,6 W
Donnerstag 29.11.01
Es schüttet die ganze Nacht wie aus Kübeln, teilweise kann man am Steuer den Bug der Antares nicht mehr erkennen, aber wir haben Wind, Bft 4 , teils aus Südost, teils über West auf Nord drehend, dann wieder aus Südost, sehr windbeeinflussende kleine Gewitterzellen. Wir werden trotz Vollzeug pitschenaß (barfuß, bei um die 25 Grad Lufttemperatur) Unsere Fußsohlen weichen auf, werden weiß und lassen sich abziehen, gespenstische Anblicke.
Gegen abend reißt der Spinnacker. Wir bergen ihn und baumen die Genua aus. Schade, er hat uns gute Dienste geleistet, und Spi-segeln ist etwas feines. Die Risse sind zu groß, als daß wir sie mit Bordmitteln flicken könnten.
Eine Stunde später stellen wir fest, daß das GPS keine Position mehr hat, wir notieren die letzte bekannte Position. Das Hand GPS, das im Notpack ist, findet auch keine Satelliten.
Heute kredenzt die Küche: Lasagne und Weißkohlsalat
In der Nacht fahren wir teilweise nur mit Genua, weil die Windrichtung Kurse, in denen wir Groß und Genua fahren könnten, nicht zuläßt, das Groß deckt die Genua zu sehr ab - wenn wir ausbaumen, kämen wir zu weit nördlich.
Etmal: 140 sm, Mittagsposition: 17° 01,8 N 048°44,5 W
Freitag 30.11.01
Drehende Winde, mal aus ESE, mal aus Süd, mal über West 180 Grad rechtdrehend... immer wieder Schauer. Das GPS hat immer wieder mal keinen Empfang
Etmal: 142 sm, Mittagsposition: 16° 36 N 051°08,9 W
Samstag 01.12.01
Erstmals haben wir heute typische Passat Winde - östliche Winde 4 - 5 Bft, schon in der Nacht können wir bei hellem Vollmond über den Atlantik rauschen - da wird die Stimmung an Bord augenblicklich um 3 Grad besser. So macht segeln Spaß!
Kein GPS Empfang. Es bleibt ein bißchen unklar, was Ausfall der Geräte und was Abschaltung (?) des Systems durch den Betreiber ausmacht, denn manchmal bekommen wir mit dem Hand GPS eine Position, während das eingebaute Gerät keine Satelliten findet.
Heute kredenzt die Küche: Huhn an Knoblauch, Backofenkartoffeln und Pimento-Zwiebel Salat
Etmal: 135 sm, Mittagsposition: 16° 02,8 N 053°24 W
Sonntag, 02.12.01 - 1. Advent
Östliche Winde 4-5 Bft. Wir laufen unter Groß und ausgebaumter Genua nach West. Beim Vorbeizug dunkler Wolkenfelder (mit eigenen "Windsystemen" dreht der Wind 30-40 Grad. Der Seegang entwickelt sich langsam so, wie wir uns das für diese Route vorgestellt haben, ca. 4 m hohe Wellen von achtern, die unter der Antares hinweglaufen . Das GPS funktioniert den ganzen Tag nicht, wir müssen uns jetzt auf unsere astronomischen Messungen verlassen. Von Adventsstimmung bei ca. 30 Grad keine Spur - eigentlich wollten wir ja eine Kerze anzünden.....
Heute kredenzt die Küche: überbackenens Huhn, Kartoffelgratin und Bohnen-Mais Salat
Etmal: 160 sm, Mittagsposition: 15°31,4 N 056°09,6 W
Montag 03.12.01
Östliche Winde um 4 Bft, schon morgens in der Dämmerung können wir eine astronomische Position aus Acturus, Capella und Mond bestimmen. Bei GPS Ausfall nutzen wir jede Möglichkeit, so eine Position zu bestimmen
Etmal: 170 sm, Mittagsposition: 14°37,9 N 058°45,6 W
Dienstag, 04.12.01
03.50 Land in Sicht! Eine Lichterkette an Stb kündigt Martinique an. Terrestrisch zu navigieren ist auch nicht so ganz ohne, weil teilweise die Befeuerungen von der Seekarte (von 1996) abweichen
Um 13.40 Uhr (UTC) fällt der Anker vor Fort de France, für jeden noch ein Ankerbier (das letzte Bier an Bord), einklarieren, was völlig unproblematisch war und der erste Landgang nach 3 ½ Wochen - geschafft! 2905 sm über Grund haben wir hinter uns gebracht. Bis Samstag haben wir noch die Antares - was machen wir noch? Von den ursprünglich gedachten guten Woche in der Karibik ist nicht mehr allzuviel übrig.
Der überwiegende Teil der Crew hat keine Lust mehr, noch andere Inseln zu erkunden - und so bleiben wir auf Martinique.
In der Nachbereitung des Törns haben wir uns dann beim DWD erkundigt, wie die äußerst ungewöhnliche Wettersituation zu erklären sei und bekamen prompt eine Antwort.
12.03.2002